Geschichten einzelner Gassen, Häuser und Plätze von St.Ulrich

Die Neustiftgasse hieß bis weit ins 16. Jahrhundert ursprünglich ‚Am Platzl‘, fing auf Höhe der Faßziehergasse an und ging bis zur Kirchengasse.Ab der Kirchengasse fingen die Ackergründe und Weingärten an.

Der unterste Teil der Neustiftgasse, also vor der Faßziehergasse hieß Mechitaristen- oder Kapuzinergasse und gehörte zur Vorstadt Spittelberg.Die Gasse wurde 1789 verlängert  und ‚Stadelgasse‘ benannt, nach dem Schottenstadel, sie führte bis zur Kaiserstrasse.Als nach der Eingemeindung der Vorstädte 1850 die Straßennamen vereinheitlicht werden mußten, (es gab in fast jeder Vorstadt z.B. eine Kirchengasse…), erhielt die ganze Gasse den Namen ‚Neustiftgasse‘.

Nach dem Fall des Linienwalls 1896 wurde die Neustiftgasse an den Gürtel angeschlossen.

Die Kellermanngasse entstand 1788 als Durchgang durch den Schottenhof und hieß offiziell Schottenhofgasse. Im Volksmund sprach man aber vom ‚Schottenbergl‘, war dies der alte Uferhang des Ottakringerbaches und deshalb ziemlich steil. 1910 wurde die Gasse dann nach dem Großhändler Georg von Kellermann in Kellermanngasse umbenannt.

Zu erwähnen sei das Haus Neustgiftgasse 32-34, in dem 1903 die Wiener Werkstätte eingezogen ist. Es waren dort ein Laboratorium für Gold- und Silberschmiedekunst, Schnitzerei, Buchbinderei, Gerberei, Tischlerei und einem Planungsbüro.

Ins Gebäude Neustiftgasse 28 ist 1891 Julius Meindl gezogen. Er hatte am Fleischmarkt Platznot und entschied sich für dieses Haus weil es einen Gassentrakt und zwei Hoftrakte hatte und baute es zu einer Fabrik aus. Es wurde reiner Bohnenkaffee geröstet sowie auch Feigen- und Malzkaffee erzeugt. Ausserdem waren dort die Magazine und das Hauptbüro untergebracht, auch der Versand in die Provinzen wurde von hier abgewickelt.

Im Haus Neustiftgasse 33 ganz oben im Dachgeschoß wurden im 2. Weltkrieg aus Tschechien stammende jüdische Brüder versteckt, einer war mit einer Wienerin (Frau Becher) verlobt. Als Zeichen ob das Stiegenhaus gefahrlos zum Durchgang sei diente das Fenster, welches geschlossen ‚reine Luft‘ signalisierte und offen die Gefahr.

Der Augustinplatz wurde ursprünglich als ‚Strohplatzl‘ genannt. Seinen Namen hat er nach dem berühmten lieben Augustin, der ‚Nächtens betrunken in eine Grube mit Pesttoten gefallen – morgens nach Ausnüchterung aus der Grube gestiegen und weiter auf seinem Dudelsack gespielt‘. Daher der Augustinbrunnen mit der Figur vom lieben Augustin, von 1908 – 1944, sie wurde über Nacht entfernt und am nächsten morgen war zu lesen ‚Der schwarzen Pest bin ich entronnen, die braune hat mich mitgenommen‘. 1952 wurde dann eine neue Steinplastik vom Bildhauer Prof. Humplick enthüllt.(6)

6 Agenda Wien 7, Geschichten mit Geschichte‘, Augustinplatz, 2006
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