Geschichte von St.Ulrich

St.Ulrich

Die erste nachweisliche Siedlung im heutigen St.Ulrich gab es 1202, von den Zisterziensern von Heiligenkreuz als ‚Zeizmanebrunnen‘ (Zeismannsbrunn) genannt.

Aber schon vor dem 12. Jahrhundert soll St.Ulrich besiedelt gewesen sein und mit Weinreben bepflanzt.

Seinen Namen hat St.Ulrich durch Dietrich den Reichen erhalten, er ließ 1211 neben seinem Gutshof in Zeismannsbrunn eine Kapelle zu Ehren des heiligen Ulrichs bauen, die Kapelle zu St.Ulrich.

Es war also eine privilegierte Lage durch die Hügel und den Bach, den Brunnen und die Kapelle.

Zweifellos war der Ottakringerbach wichtiger Bestandteil der Besiedelung dieses Gebiets. Er bewässerte die Wein- und Obstgärten und diente als Entsorgungsstruktur. (1)

So entwickelte sich die Bebauung St.Ulrichs entlang dem Ottakringerbach (Neustiftgasse) als Grabenangerdorf, mit dem Anger in der heutigen Burggasse. (2)

Im 13.Jahrhundert veränderten sich die Besitztümer, und 1302 tauschten die Schotten das Patronat von Maria am Gestade für das der Kapelle von St.Ulrich. Dies sollte der Kern des Schottenbesitzes werden.

St.Ulrich war also von Anfang an der katholischen Religion zugehörig. Jedoch ab 1580 war am Oberhof ein lutherischer Prädikant, es wurden also evangelische Gottesdienste abgehalten, die sich großer Zusage erfreuten. Da aber der Schottenabt sowie der Bischof von Passau (Besitz Neudeggerlehen) sich vehement dagegen wehrten, war ab etwa 1614 die protestantische Zeit von St.Ulrich wieder vorüber. (3)

Im Jahre der Pest 1713 wurde vor der Ulrichskirche eine Pestsäule aufgestellt. Am Stiegenaufgang zur Kirche befinden sich Heiligenstatuen unter denen sich auch Johannes von Nepomuk befindet, dem Patron gegen Wassergefahren. (4)

Bis im 17. Jahrhundert gab es in St.Ulrich 2 Gutshöfe, das Neudeggerlehen und den Oberhof oder St.Ulrichshof, die aus mehreren Häusern zusammengeschlossen waren. Ausserdem gab es ca. ab 1520 den Zemessers Sitz, der seinem Besitzer als Erholungsraum diente wenn in der Stadt die Luftverhältnisse schlecht waren. Generell soll St.Ulrich eine Zuflucht für Erholungssuchende aus der Stadt gewesen sein.

Die Besiedelung von St.Ulrich ging zweifellos von der Kapelle aus. Im Haus St.Ulrichsplatz 4 soll es heute noch Reste eines Wohnturms aus dem 14. Jahrhundert geben. Von hier entwickelte sich die Verbauung Richtung untere Neustiftgasse weiter, und 1529, zur Zeit der ersten Türkenbelagerung zählte St.Ulrich etwa 50 Häuser. Diese fielen aber den Kämpfen zu Opfer. Es folgt ein Wiederaufbau und Ausbau, eine Erweiterung der Vorstadt, und 1683 bei der zweiten Türkenbelagerung wurden wieder die meisten Häuser zerstört. Kara Mustafa soll auf den Kirchturm von St.Ulrich gestiegen sein um seine Beobachtungen gen Wien zu machen. Der Oberhof wurde 1683 mit Ausnahme der Grundmauern von den Türken niedergebrannt, worauf die Schotten ihn wieder aufbauten, selbst nutzten und anfingen Teile des Gartens zu parzellieren und kleine Zinshäuser zu errichten.

Ende des 17. Jahrhunderts zählten die Schotten das Neudeggerlehen und den Oberhof zu ihrem Besitz, aus welchem sich dann neben St.Ulrich auch die Vorstädte Neubau und Schottenfeld entwickelten.

Neustiftgasse und Lerchenfelderstrasse verliefen schon damals von Anfang des Palais Trautson bis zum Linienwall (Gürtel).

Die Vorstadt vergrösserte sich weiter, und 1833 zählte St.Ulrich bereits 155 Häuser und 7000 Einwohner. Trotz des bestehenden Glacis ist eine deutliche Tendenz zur Großstadtbildung erkennbar.

Am 6.März 1850 wurden per kaiserlichem Dekret die Vorstädte nach Wien eingemeindet. St.Ulrich gemeinsam mit Spittelberg, Neubau, Schottenfeld und Altlerchenfeld bildeten den Bezirk Neubau. Neubau wurde begrenzt durch den Linienwall (Gürtel), die Lastenstrasse (Musemsstrasse), die Mariahilferstrasse und die Lerchenfelderstrasse. St.Ulrich liegt zwischen der Museumsstrasse, der Lerchenfelderstrasse, der Burggasse und der Kirchengasse. Es ist also das Gebiet das an den Ersten Bezirk anknüft. Der Bezirk entwickelte sich zu einem Gewerbebezirk, die Bebauung stieg stark an und die Grünflächen wurden immer kleiner. Da St.Ulrich dazumal schon dicht verbaut war, wurden vor allem in der Neustiftgasse die alten Häuser, meist 1 – 2 stöckigen Barockhäuser, abgerissen und durch ‚herrschaftliche‘ 3 – 5 stöckige Häuser mit großen Wohnungen ersetzt. Es etablierte sich als Wohnviertel.

Im heutigen Wappen vom 7. Bezirk ‚Neubau‘ ist der heilige Ulrich zu sehen. (5)

___________________________________________________________________

1  Elfriede Faber ‚Neubau‘ Edition Wien 1995, 12/14/20

2  http://woerterbuch.babylon.com 2010

3  Elfriede Faber ‚Neubau‘ Edition Wien 1995, 12/14/20

4  Bezirksmuseum 7. Bezirk, Komment zum Bild ‚Maria Trost‘ – Ulrichskirche

5  Elfriede Faber ‚Neubau‘ Edition Wien 1995, 17/18/19/20/31/33/35/36/39

%d Bloggern gefällt das: