Klang:Installation Ottakringerbach

Konzept Klang:Installation

Das Konzept von FROM GREY TO GREEN beruht auf dem Grundsatz, Gleiches mit Gleichem im selben Raum zu verändern.

Geräusch wird durch Geräusch verändert.

Als Negativ-Beispiel möchte ich die Entwicklung an Österreichs Autobahnen anführen, die mit dem unaufhörlichen Bau an Lärmschutzwänden total ihrer Landschaft entkoppelt werden. Es entsteht eine eintönige Kanalwirkung und eine komplette Anonymisierung des Ortes. Einzig und allein die Verkehrsschilder weisen darauf hin, wo man sich befindet.

Der Mensch tendiert dazu in Problemzonen wie der Neustiftgasse genau dasselbe zu tun. Einfach eine Schutzwand z.B. vor den Gastgarten aufzustellen. Dies bewirkt jedoch nur das Gegenteil vom eigentlichen Problem. Die Lärmschutzwände entkoppeln den Verkehr komplett von seinem Ort, was eine Beschleunigung des motorisierten Verkehrs zur Folge hat. Die Sicherheit, dass niemand und nichts die Fahrbahn betreten kann führt automatisch zum stärkeren Tritt ins Gaspedal.
Der Ansatz, den Verursacher gleichbleibend zu belassen und ihn gleichzeitig in eine Unsichtbarkeit zu hüllen, funktioniert also nicht weil er neue Probleme erzeugt.

Die Klanginstallation setzt da an, wo der Verkehrslärm den auditiven Raum nicht dominiert. Das heißt, jene auditiven Frequenzen, die der Verkehr wenig beansprucht, werden von der Klanginstallation bespielt um zu zeigen, dass der Ort auditiv nicht ausschließlich dem Verkehr ausgeliefert sein muss.

Der Frequenzbereich unter den Frequenzen des Verkehrs wird durch das Wassergeräusch des Ottakringerbachs bespielt.
Der Frequenzbereich über den Frequenzen des Verkehrs wird von dem BachLeben Geräusch, dem Vogelschwarm, belebt.

Dies soll dem auditiven Raum eine lebendige Note geben und zeigen, dass man mit anderen Methoden das Problem der Dominanz des Verkehrs nehmen kann.
Es beruht darauf, das Schwächere zu stärken. Wenn das Schwächere stark genug ist, wird es zu einer Gleichstellung kommen. In diesem Fall jene, die unmotorisiert den Raum bespielen. Wenn also der Ort akkustisch Entschleunigt wird, besteht die Chance auf eine neue Belebung. Der Mensch empfindet den Ort als angenehmer, wodurch er eher verweilen wird als zuvor. Menschen ziehen Menschen an. Und je mehr Menschen einen Ort bespielen, desto defensiver verhalten sich Autofahrer und reduzieren das Tempo um kein Risiko einzugehen. Dadurch wiederum geben sie den Fußgängern mehr Bewegungsfreiheit im Raum und mehr Platz für soziale Interaktionen.

Das Thema, der Ottakringerbach, mit dem das Ziel der Entschleunigung und Belebung erreicht werden soll, ist sehr bewusst gewählt, um den Ort wieder mit seinem Ursprung zu verknüpfen. Der Ottakringerbach war maßgebender Faktor für die städtebauliche Entwicklung in diesem Gebiet. Dies ist auch heute noch ersichtlich, aber der Bach ist von der Oberfläche verschwunden und verläuft von der Quelle zur Mündung im Kanal.

Er ist aber durch die Kanaldeckel hörbar. Jedoch nur für jene, die davon wissen.
Wissen hören.
Die Inszenierung des Ottakringerbaches soll dem öffentlichen Raum von St.Ulrich Identität und Bewußtsein zurück geben.
Sie soll Impulse für eine Veränderung geben, zum Beispiel für eine abschnittsweise Renaturierung des Baches im Sinne einer ‚natürlichen‘ Belebung des Stadtraumes. Der Stadt und ihren Bewohnern ein Mehr an Ausgleich zurückgeben,  Dagewesenes neu interpretiert Zurückholen.
Impulse für Veränderung geben, zeigen was da ist und was man machen kann.
Träume anregen.
Einen Diskurs starten.

Die Klanginstallation transportiert Geschichte, den momentanen Zustand und soll die Zukunft hörbar machen. Deshalb ist die Klangquelle sichtbar – das Sitzmöbel aus dem der Sound vom Bach strömt, auf dem man sitzen und den Bach durch die Vibration spüren kann.

Der Klang des Ottakringerbachs wird per ‚live stream‘ über ein eigens platziertes Netzwerk aus dem Kanal übertragen. An drei ausgewählten Plätzen entlang des ursprünglichen Bachverlaufs werden Sitzmöbel plaziert aus denen der heutige Klang des Ottakringerbachs strömt.

Eine Antwort to “Klang:Installation Ottakringerbach”

  1. verena topaz 09/18/2010 um 4:58 pm #

    Das Netzwerk war leider nicht stark genug – und für ein stärkeres das Budget zu gering!

    Deshalb leider kein einloggen ins ‚grey2green‘ Netzwerk und sich ein Stück Bachklang mitnehmen…

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